Schuppen! Und nun?

 

Schuppen sind leider nicht einfach Schuppen! Es gibt da echt gravierende Unterschiede – vor allem in der Ursache und daraus resultiert auch direkt eine unterschiedliche Therapieform, sie wieder loszuwerden. Aber ich fange mal vorne an:

Was sind Schuppen eigentlich genau?

Schuppen (mediz.: Squama) rieseln bei vielen Menschen auf die Schultern. Meist sind sie harmlos und man wird sie mit speziellen Shampoos oder Pflegeprodukten eigentlich auch wieder los. Und eigentlich sind Schuppen nie wirklich nur ein rein kosmetisches Problem – sie können eine Begleiterscheinung von Krankheiten sein, die ggf. auch ärztlich behandelt werden sollten. Hier gebe ich einige gesammelte Informationen aus Recherche und eigenen Erfahrungen wieder. Dieser Artikel ersetzt keinen Arztbesuch!

Woher kommen Schuppen also und was sind die möglichen Ursachen?

Man unterscheidet in erster Linie unter zweierlei Arten von Schuppen:

  • ölige oder fettige Schuppen (Seborrhö oleosa)
  • trockene Schuppen (Seborrhö sicca)

Die Ursache für die unterschiedlichen Schuppenformen ist also auch unterschiedlichem Ursprung! Man kann also nicht pauschal losrennen, das nächste „Anti-Schuppenshampoo“ kaufen und davon ausgehen, dass es nun alles gut wird! Im Gegenteil! Meist wird es für den Anfang vielleicht ganz ok, dann kommt es dicker zurück als man erwartet. Wieso? Na wenn man zum Beispiel eine trockene Kopfhaut hat (und das ist am häufigsten der Fall) und sich aufgrund fehlender Elastizität und Feuchtigkeitshaushalt auf der Haut Schuppen bilden, man dann aber mit einem meist viel zu scharfen Anti-Schuppenshampoo behandelt, dann trocknet aufgrund der Inhaltsstoffe des vielleicht falschen Pflegeprodukt die Kopfhaut nur weiter aus. Somit hat man sich dann schön in einen Kreislauf begeben, aus dem man so einfach nicht mehr raus kommt. Die trockene Haut wird weiter ausgetrocknet, es bilden sich weiter Schuppen (und ggf. weiterer Juckreiz, Hautrötungen, etc.). Manchmal muss man einfach mal genauer hinschauen, wo die Ursache der Schuppen liegt.

Bei trockenen Schuppen, also bei trockener Kopfhaut hat sich bisher immer ein mildes und feuchtigkeitsspendendes Shampoo bewährt. Man kann auch die Kopfhaut mit Aloe Vera (ohne Zusatzstoffe, Bio-zertifiziert) oder Leinsamen-Gel direkt nach der Haarwäsche pflegen und sollte auch auf das heiße Föhnen verzichten und nur leicht warm föhnen oder beim altbewährten Lufttrocknen bleiben. Auch hat sich aus Erfahrungen bewährt, die Haare nach der Haarwäsche mit „saurer Rinse“ zu spülen.

Saure Rinse:

Eine Schüssel mit Wasser (nicht unbedingt eiskalt aber so angenehm kühl wie möglich) mit 1-3 EL Apfelessig (5% Säure) mischen und nach der Haarwäsche die Haare/ Dreadlocks damit spülen. Danach werden keine weiteren Produkte mehr angewendet. Der Geruch verfliegt, sobald die Haare trocken sind.

Leinsamen-Gel herstellen:

2 EL Leinsamen in einen Topf mit Wasser (ca. 200-300ml) aufkochen, bis es blubbert und sich die Konsistenz zu „Nasenschnodder“ verändert. Dann drückt man das ganze durch ein sehr feines Sieb und lässt das Leinsamen-Gel abkühlen.

Leinsamen-Gel anwenden bei offenem Haar:

Nach der Haarwäsche drückt man mit einem Frotteehandtuch das überschüssige Wasser aus den Haaren, so dass die Haare „Handtuch-trocken“ sind. Dann nimmt man sich das abgekühlte Gel und knetet es großzügig in die Ansätze bis in die Spitzen. Übrigens werden damit die Naturlocken (falls vorhanden) wundervoll definiert und man spart sich eine teure Lockenpflege! Man knetet also das Gel in die Haare und knetet und knetet und knetet… Zusätzlich kann gerne mit nicht zu heißer Luft dabei das Haar geföhnt werden. Ein Diffusor ist da sehr praktisch bei. Diese Leinsamen-Kur verleiht dem Haar Glanz, spendet Feuchtigkeit und hilft zudem, Locken langfristig auf natürliche Weise zu definieren.

Leinsamen-Gel anwenden bei Dreadlocks:

Wie auch bei der Anwendung bei offenen Haaren kann man es bei Dreadlocks ebenso tun, da es kaum bis gar keine Rückstände hinterlässt. Allerdings würde ich hier tatsächlich nur bei den nachgewachsenen Ansätzen und der Kopfhaut bleiben.

Welche Ursachen können Schuppen denn überhaupt haben?

Meist sind die Ursachen für Schuppen harmlos. Es können aber auch Erkrankungen dahinterstecken. Häufige Schuppenauslöser sind unter anderem:

  • Hormonschwankungen: Die Talgproduktion wird durch Hormone beeinflusst und kann zum Beispiel in der Pubertät zum lästigen Problem werden. Die Haut wird fettig, was die Bildung von Mitessern und Pickeln sowie von gelben, festsitzenden Schuppen auf der Kopfhaut fördert. Trockene Schuppen sind dagegen oft ein Begleitsymptom der Wechseljahre bei Frauen.
  • Falsche Haarpflege: Häufiges Haarewaschen mit aggressiven Shampoos und heißes Föhnen können zu trockener Kopfhaut und Schuppen führen.
  • ungünstiges Klima: Hitze und trockene Luft verursachen eine trockene Kopfhaut, die Juckreiz und die Bildung von kleinen, weißen Schuppen fördert. Fettige Schuppen entstehen dagegen eher bei hoher Luftfeuchtigkeit.
  • Erbliche Veranlagung: Experten nehmen an, dass auch die Vererbung bei der Entstehung von Kopfschuppen eine Rolle spielt. Tatsächlich treten innerhalb einiger Familien gehäuft Schuppen auf, was diese These stützt.
  • Stress: Psychische Belastungen wirken sich auf den Stoffwechsel der Hornhaut aus – Schuppen sind die Folge. Da auch die Abwehrbarriere der Haut gestört ist, können sich zudem Hautpilze leichter ansiedeln.
  • Psoriasis: Die Kopfhaut-Psoriasis ist eine schwer behandelbare Unterform der Schuppenflechte. Die Hautzellen der Oberhaut verhornen bei der Psoriasis schon innerhalb von drei bis fünf Tagen und werden zudem vermehrt nachgebildet. Daraus ergeben sich die typischen, kreisrunden Schuppenflächen.
  • Malassezia furfur: Der Hefepilz gehört zur normalen Hautflora und ernährt sich besonders von Fettsäuren in talghaltiger Haut. Steigt die Talgproduktion der Kopfhaut, kann sein Wachstum sprunghaft ansteigen und Entzündungen verursachen. Juckende Kopfhaut und fettige Schuppen sind typische Symptome dafür. An den aufgekratzten Hautstellen können sich außerdem Bakterien einnisten.
  • Atopisches Ekzem: Die auch als Neurodermitis bezeichnete Erkrankung tritt oft schon im frühen Kindesalter auf. Sie äußert sich durch schuppende, stark juckende Hautausschläge. Das atopische Ekzem kann in einer untypischen Variante auch nur den Kopf und Hals befallen und durch stark juckende Kopfhaut zur Schuppenbildung führen.
  • Seborrhoisches Ekzem: Von diesem nicht ansteckenden, chronisch-entzündlichen Hautausschlag sind besonders Gesicht und Kopfhaut betroffen. Typische Symptome sind Juckreiz und gelbliche Schuppen.
  • Kontaktallergien: Manche Menschen reagieren auf Inhaltsstoffen etwa von Haarpflege- oder Kosmetikprodukten mit Juckreiz, Schuppen-, Schorf- und sogar Krustenbildung der Haut.

Welche Mittel helfen gegen die lästigen Schuppen?

Anhand der oben genannten Ursachen sieht man schon, dass es genauso viele Therapie-Möglichkeiten gibt, wie es Ursachen gibt. Das heißt, wenn man erst einmal weiß, welche Ursache für die eigenen Schuppen besteht, kann man auch entsprechend richtig handeln. Was ich aus eigene Nähkörbchen-Erfahrungen mitteilen kann: es nützt nichts, wenn man innerhalb kurzer Zeit binnen drei Wochen drei verschiedene Therapie-Formen wählt oder verschiedene Pflegeprodukte im Wechsel ausprobiert. Auch die Haut und das Haar möchte sich gerne an einen neuen Umstand gewöhnen. Also wenn du Schuppen hast und auch die genaue Ursache wirklich kennst, dann erst versuche dein perfektes Produkt zur Pflege zu finden, indem du wirklich mal einen Monat durch nichts anderes (auch nicht nur einmal kurz) anwendest. Und welche Anwendung zu welchem Problem passt, liegt meist anhand der Ursache schon auf der Hand: höre auf deinen Dermatologen oder gebe deiner Kopfhaut genau das, was sie nicht hat und weswegen sie so rebelliert.

Wann ist ein Arztbesuch ratsam?

Oft winkt man „Kleinigkeiten“ wie Schuppen oder Bauchweh oder Kopfweh einfach als „ach, das kommt von alleine, das geht auch von alleine“ durch. Aber das müssen nicht immer Kleinigkeiten sein. Nicht umsonst hat unser menschlicher Körper ein Alarmsystem, mit denen er uns zeigt, was wir benötigen und dass da was im Ungleichgewicht ist! Deswegen ist es unter Umständen auch ratsam, dass man wirklich zum Dermatologen geht und sich eine fachliche Meinung einholt. Wann? Etwa bei folgenden Beschwerden:

  • starker Juckreiz, Rötung oder Schwellung der Kopfhaut
  • verstärkter Haarausfall (bis zu 100 ausgefallene Haare pro Tag sind aber normal und völlig üblich!)
  • Brennen oder Entzündung der Kopfhaut
  • nässende oder verkrustete Stellen auf der Kopfhaut

Auch sollte man wirklich die Meinung eines Dermatologen einholen, wenn man schon eine ganze Weile an Schuppen leidet. Mache einen Termin, bevor es zu spät ist!

Ich hoffe, dieser Artikel hat dir ein wenig mehr Aufschluss über das Thema Schuppen gegeben und kann dir bei deiner Selbstreflexion oder Beobachtung hilfreich sein. Wenn du weitere Fragen hast, deine Erfahrungen gerne teilen möchtest oder auch Ideen für weitere Themen hast, dann hinterlasse gerne einen Kommentar.

Deine Liliana

 

2 Gedanken zu „Schuppen! Und nun?

  1. Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Schuppenursachen und Schuppenarten gibt.
    Ich selbst habe hin und wieder auch mit Schuppen zu kämpfen. Meist bekomme ich diese aber schnell wieder weg. Es handelt sich bei mir fast immer um trockene Schuppen vor allem in den Wintermonaten neige ich sehr stark dazu. Oftmals hilft in der Tat wie Du in Deinem Beitrag so schön beschrieben hast Aloe Vera Gel und ein mildes, silikonfreies, Feuchtigkeitsschampoo.

    1. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und woher sollte man auch wissen, dass Schuppen nicht gleich Schuppen sind oder immer das gleiche Mittel dagegen hilft, wenn es die Werbung so darstellt?! Ich finde, dass der Artikel schon echt überfällig war, denn ich hab das schon von vielen gehört, die sich gewundert haben wie du!
      Vielen Dank für dein Feedback! <3

      LG Liliana

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